Die vierte Tochter

Kurzbeschreibung
Als ob der jungen Grabforscherin Franka die Trennung von ihrem Freund und Kollegen nicht schon genug zusetzen würde, muß sie auch noch für ihn einspringen: als Expertin für Knochenfunde bei einem Frauenmord, der der Kripo Rätsel aufgibt. Auch Frankas Vorsatz, daß sich in ihrem Leben so schnell kein neuer Mann breitmachen soll, scheint dahin, denn Henning Veit, der Leiter der Gerichtsmedizin, ist irgendwie anders. Mit ihrer besten Freundin beginnt Franka nachzuforschen: Was verbarg die Unbekannte, die sich als Urenkelin von Kaiserin Sisi ausgab und mit dreierlei Waffen hingerichtet wurde? Eine erste Spur führt nach Wien, wo Franka dem Geheimnis gefährlich nahe kommt ... Tempo, Spannung und doppelbödiger Humor kennzeichnen Krystyna Kuhns neuen Kriminalroman.

Originalausgabe erschienen 2004
Piper Verlag 282 S.
ISBN: 978-3492270526

Taschenbuch erschienen 2004
282 S.
ISBN: 978-3492241755
Beide Ausgaben vergriffen

> Hier eine Leseprobe

Ich konzentrierte mich darauf, das Klingeln zu überhören.
Das Klingeln des Telefons.
Das Klingeln der Türglocke.
Denn es war seit Aschermittwoch der dreißigste Tag, an dem ich mir nichts sehnlicher wünschte als friedlich im Bett zu sterben. Wenigstens ein bisschen. Für einen kurzen Zeitraum. Ich war auch bereit zu verhandeln um die Zeit der Totenstarre, um die Dauer eines Verpuppungszustand wie er Schmetterlingen vergönnt war.
Nur wenige Wochen.
Bis Ostersonntag.
Doch statt dessen stand ich auf, nahm den Telefonhörer ab, brüllte hinein Moment, und öffnete den Handwerkern. Sie erwiesen sich als militärischer Stoßtrupp. Stürmten mit Eimern, Leitern, Bohrmaschinen wie Kalaschnikows unter dem Arm geklemmt die Treppe hoch, mit der Absicht meine Wohnung erst zu zerstören, und dann Wiederaufbau zu leisten. Ich ergab mich und zeigte ihnen das Bad. Dann kehrte ich ans Telefon zurück, in plötzlicher panischer Hoffnung, mit diesem Gespräch käme die Wende in meinem Schicksal. Die Metamorphose wäre abgeschlossen, das Gespinst aus Wut, Trotz und Selbstmitleid würde sich verwandeln in einen Schmetterling. Kurz Magnus hätte es sich anders überlegt und teilte mir mit, er würde sofort zurückkommen, um mich vor den Handwerkern zu retten. Und wenn ich mein altes Leben wieder bekam, bräuchte ich auch kein neues Badezimmer. Doch es war Sigrid, die Sekretärin des anthropologischen Institutes, fünfzig, Frühaufsteherin mit penetrant guter Laune.
”Guten Morgen Franka! Was ist denn bei dir los? Ich dachte, du hast dich lebendig begraben!”
”Ich erlebe gerade den gezielten Angriff der Handwerkerzunft.” antwortete ich.
“Um so besser, dann musst du dein Haus verlassen!”
“So weit bin ich noch nicht, ich bin noch nicht reif für die Öffentlichkeit!” Meine Augen suchten den Spiegel, damit er widersprach, aber der war auf dem Dachboden.
”Ich finde, dass nach einem Monat die Trauerzeit überschritten ist.”
“Hast du noch nie vom Trauerjahr gehört?”
“Du lebst in Mitteleuropa, Franka, in der gemäßigten Klimazone. Hier erwartet man kultivierte, angemessene Gefühlslagen. Aber ich rufe nicht an, um mein Beileid auszusprechen, sondern weil Fischer angerufen hat vom Morddezernat. In einer Altpapieranlage wurde ein Schädel gefunden.

Pressestimmen

Beate Strobel, Amazon-Redaktion
In Die vierte Tochter schickt die frühere EDV-Sachbuchautorin wiederum eine hartnäckige Heldin auf die Suche nach Mörder und Motiv, garniert sie erneut die Kriminal- mit einer hübschen Lovestory, fesselt sie den Leser ebenso gelungen mit unaufdringlichem Humor und hintergründiger, ungewöhnlicher Story bis zur letzten Seite. Der Kurs "Spannungsroman" war nicht vergebens -- Note sehr gut, setzen, weiterschreiben!

Krimi-Couch
Die Spannung wird reichlich rasch aufgebaut, schnell erfährt der Leser, worum es geht und es sind genügend Actionelemente vorhanden, um so zu fesseln, dass man dieses Buch, so wie ich, in einem Zug ausliest. Dabei kommt auch der, manchmal leicht zynische, Humor nicht zu kurz. Kurz und gut, es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Der Piper Verlag München hat mit dieser Veröffentlichung garantiert ein heißes Eisen vorgelegt, der dem Fan von deutschen Krimis sicherlich zusagen wird.

Tobias Gohlis, DIE ZEIT
Ich sage nur: Sissi. Irgendwie stehen die Nachfahren der Leibärzte, Kammerzofen und Gesellschafterinnen der 1898 ermordeten, zahnstocherdürren Kaiserin von Österreich auch hundert Jahre später auf geheimnisvolle Weise miteinander in Kontakt. Gerüchte tauchen auf aus der Tiefe der Geschichte: Sissi habe noch eine vierte, illegitime Tochter bekommen; auch habe ihr Mörder, der Anarchist Lucheni, auf höheren Befehl gehandelt. Unverdrossen spürt Franka, mit Mutterwitz und gesunder Abneigung gegen romantische Liebesverstrickungen, allen Kolportagespuren nach. Sie wird entführt, wieder freigelassen und kriegt letztlich alles raus, sogar den Namen von Sissis Psychiater. Haarsträubend!